Strommix
Der Strommix beschreibt, aus welchen Quellen der von einer Wärmepumpe genutzte Strom stammt und wie klimafreundlich dieser Strom ist. Er gliedert den Netzstrom nach den Anteilen verschiedener Energieträger wie Wasserkraft, Windenergie, Solarenergie, Biomasse, Erdgas, Kohle und Kernenergie. Anschließend verknüpft er diese Quellen mit der CO₂-Intensität, dem Primärenergiefaktor, der Stromkennzeichnung des Energieversorgers und den aktuellen Bedingungen im Stromnetz.
Im Kontext der Umweltbewertung von Wärmepumpen ist der Strommix die vorgelagerte Datengrundlage für die Berechnung betriebsbedingter Emissionen, für förderrelevante Energieberechnungen und für glaubwürdige Aussagen zu Ökostrom. Die Effizienz einer Wärmepumpe ist wichtig, doch ihre tatsächliche Klimawirkung hängt maßgeblich davon ab, mit welchem Strommix sie betrieben wird.
- Was ist der Strommix?
- Welchen Zweck erfüllt der Strommix?
- Warum wird der Strommix benötigt?
- Was sind die wichtigsten Merkmale des Strommixes?
- Erläuterung der wichtigsten Merkmale
- Arten des Strommixes
- Anwendungsfälle des Strommixes
- Vorteile von Strommixdaten
- Auswahlkriterien für Strommixdaten
- Vergleich verschiedener Strommärkte
- Integration des Strommixes in andere Systeme
Was ist der Strommix?
Der Strommix bezeichnet die Zusammensetzung der Energieträger, aus denen der in einem Stromnetz verfügbare Strom erzeugt wird. Er gibt an, welcher Anteil des Stroms aus erneuerbaren, fossilen und nuklearen Energiequellen stammt – entweder zu einem bestimmten Zeitpunkt oder als Jahresdurchschnitt.
Der Strommix umfasst mehrere messbare Merkmale:
- Anteile der Energieträger wie Wasserkraft, Windenergie, Solarenergie, Biomasse, Erdgas, Kohle und Kernenergie
- CO₂-Intensität in Gramm CO₂ pro Kilowattstunde
- geografischer Geltungsbereich, etwa auf nationaler Ebene, auf Ebene eines Energieversorgers oder eines Stromnetzes
- zeitliche Auflösung, beispielsweise als Jahresdurchschnitt oder Echtzeitwert
Jedes dieser Merkmale beantwortet eine andere Frage zum Strom, den eine Wärmepumpe verbraucht.
Welchen Zweck erfüllt der Strommix?
Der zentrale Zweck von Strommixdaten besteht darin, die Klimawirkung des Stromverbrauchs messbar und vergleichbar zu machen. Eine Wärmepumpe wandelt Strom in Wärme um. Die Klimawirkung dieses Prozesses hängt nicht allein von der Wärmepumpe ab, sondern davon, wie der dafür eingesetzte Strom erzeugt wurde.
Strommixdaten erfüllen drei wesentliche Funktionen:
- Quantifizierung – Sie machen aus dem allgemeinen Marketingbegriff „sauberer Strom“ einen messbaren Wert, beispielsweise in g CO₂/kWh.
- Vergleichbarkeit – Sie ermöglichen es, den Betrieb von Wärmepumpen in verschiedenen Ländern, bei unterschiedlichen Energieversorgern und über verschiedene Zeiträume hinweg auf einer einheitlichen Grundlage zu vergleichen.
- Erfüllung gesetzlicher Anforderungen – Sie bilden die rechtliche Grundlage für die Stromkennzeichnungspflichten von Energieversorgern und für die Berechnung von Primärenergiefaktoren, die in Energieausweisen und Förderprogrammen verwendet werden.
Warum wird der Strommix benötigt?
Die Effizienz einer Wärmepumpe, ausgedrückt durch den COP oder die saisonale Leistungszahl beziehungsweise Jahresarbeitszahl (SPF/JAZ), beschreibt nur einen Teil der Gesamtwirkung. Der andere entscheidende Faktor ist der Strommix, mit dem die Wärmepumpe betrieben wird.
Zwei technisch identische Wärmepumpen können sehr unterschiedliche Lebenszyklusemissionen verursachen: Eine wird beispielsweise mit österreichischem Strom betrieben, die andere in einem stark kohleabhängigen Stromnetz. Obwohl die Geräte identisch sind, unterscheidet sich ihre Klimawirkung deutlich.
Ohne Strommixdaten entstehen drei grundlegende Probleme:
- Keine überprüfbare CO₂-Basis.
Die betriebsbedingten Emissionen einer Wärmepumpe können ohne einen Wert für die CO₂-Intensität des Stromnetzes nicht berechnet werden. Weitere Informationen zur Anwendung dieses Werts finden sich im Cluster „CO₂-Emissionen“. - Kein belastbarer Primärenergievergleich.
Die in Bauvorschriften und bei der Prüfung von Fördervoraussetzungen verwendeten Primärenergiefaktoren werden ihrerseits aus den nationalen Strommixdaten abgeleitet. Weitere Informationen dazu enthält der Cluster „Primärenergiefaktor“. - Keine regulatorische Transparenz.
Stromversorger in Österreich und Deutschland sind gesetzlich verpflichtet, ihren Strommix gegenüber Endkunden offenzulegen. Ohne diese Kennzeichnung können Kunden Aussagen eines Versorgers zu „Ökostrom“ nicht überprüfen.
Was sind die wichtigsten Merkmale des Strommixes?
- Anteile der Energieträger – prozentuale Aufteilung der Stromerzeugung nach Energieträgern
- CO₂-Intensität – Menge der je erzeugter oder verbrauchter Kilowattstunde ausgestoßenen CO₂-Emissionen
- Zeitliche Auflösung – Unterscheidung zwischen einem durchschnittlichen Jahresstrommix und einem Echtzeit- oder saisonalen Strommix
- Geografischer und vertraglicher Geltungsbereich – nationaler Erzeugungsmix, Lieferanten- beziehungsweise Produktmix oder Residualmix
- Kennzeichnungsmechanismus – Herkunftsnachweise beziehungsweise Guarantees of Origin, mit denen Angaben zur erneuerbaren Stromerzeugung dokumentiert werden
Erläuterung der wichtigsten Merkmale
Anteile der Energieträger
Definition.
Die Anteile der Energieträger geben an, welcher Prozentsatz der gesamten Stromerzeugung aus Wasserkraft, Windenergie, Solarenergie, Biomasse, Erdgas, Kohle oder Kernenergie stammt.
Zweck.
Sie zeigen, wie stark ein Stromsystem von fossilen und nuklearen Energieträgern beziehungsweise von erneuerbaren Energiequellen abhängig ist. Gleichzeitig bilden sie die Ausgangsdaten für alle nachgelagerten Klimaberechnungen.
Vorteile.
Die Anteile der Energieträger schaffen eine transparente und überprüfbare Grundlage für klimabezogene Aussagen. Betreiber einer Wärmepumpe können dadurch nachvollziehen, mit welchen Energiequellen ihr System tatsächlich versorgt wird, anstatt sich lediglich auf allgemeine „grüne“ Kennzeichnungen zu verlassen.
Beispiel.
Im Jahr 2025 stammten in Österreich rund 85 % der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen. Allein die Wasserkraft trug nahezu die Hälfte zur gesamten Stromerzeugung bei. Die durchschnittlichen Emissionen des österreichischen Stromnetzes lagen 2025 bei etwa 86 Gramm CO₂-Äquivalent pro Kilowattstunde, wobei Wasserkraft mit einem Anteil von knapp der Hälfte die wichtigste Erzeugungsquelle darstellte.
Der Schweizer Strommix wird überwiegend von Wasserkraft und Kernenergie bestimmt. Zusammen machen diese beiden Energieträger den Großteil der Stromerzeugung aus, wodurch das Schweizer Stromnetz zu den emissionsärmsten Stromsystemen Europas gehört.
CO₂-Intensität
Definition.
Die CO₂-Intensität bezeichnet die je Einheit Strom verursachte Masse an CO₂-Emissionen. Sie wird in Gramm CO₂ pro Kilowattstunde (g CO₂/kWh) angegeben.
Zweck.
Die CO₂-Intensität überführt einen komplexen Strommix in eine einzelne, vergleichbare Klimakennzahl. Dieser Wert wird direkt mit dem Stromverbrauch einer Wärmepumpe multipliziert, um deren betriebsbedingten CO₂-Fußabdruck zu berechnen.
Vorteile.
Eine einheitliche und standardisierte Kennzahl ermöglicht es, Wärmepumpen, Gasheizungen und Ölheizungen auf derselben Klimabasis miteinander zu vergleichen. Dabei können offizielle nationale Berechnungsmethoden anstelle pauschaler Schätzungen verwendet werden.
Beispiel.
Nach Angaben des deutschen Umweltbundesamtes verursachte die Stromerzeugung in Deutschland im Jahr 2025 durchschnittlich 344 Gramm CO₂ pro verbrauchter Kilowattstunde. Damit setzte sich der rückläufige Trend gegenüber 353 Gramm im Jahr 2024 und 379 Gramm im Jahr 2023 fort.
Der österreichische Wert liegt aufgrund des hohen Wasserkraftanteils deutlich niedriger. Je nach Berechnungsmethode und zugrunde gelegtem Berichtsjahr bewegen sich die Werte jedoch ungefähr zwischen 86 und 106 g CO₂/kWh.
Zeitliche Auflösung
Definition.
Die zeitliche Auflösung beschreibt, ob ein Strommixwert einen Jahresdurchschnitt oder einen aktuellen, beispielsweise stündlich ermittelten Echtzeitwert darstellt.
Zweck.
Die Zusammensetzung des Stromnetzes verändert sich laufend. Die Stromerzeugung aus Solar- und Windenergie schwankt je nach Wetterlage, Tageszeit und Jahreszeit. Dadurch kann sich auch die aktuelle CO₂-Intensität des Stromnetzes wesentlich stärker verändern, als ein Jahresdurchschnitt erkennen lässt.
Vorteile.
Zeitlich hochaufgelöste Daten ermöglichen einen intelligenten und lastverschobenen Betrieb von Wärmepumpen. Die Anlage kann bevorzugt dann betrieben werden, wenn der Strommix besonders emissionsarm ist, statt ausschließlich dann Energie zu verbrauchen, wenn unmittelbar Wärme benötigt wird.
Beispiel.
Die CO₂-Intensität des österreichischen Stromnetzes kann an einem sommerlichen Mittag auf etwa 56 Gramm CO₂ pro Kilowattstunde sinken. Dieser Wert liegt ungefähr drei Viertel unter typischen Winterwerten. An Winterabenden können dagegen Spitzenwerte von rund 300 Gramm CO₂ pro Kilowattstunde auftreten.
Eine Wärmepumpe mit Smart-Grid-Anbindung kann einen Teil ihres Stromverbrauchs innerhalb dieser täglichen Schwankungen in emissionsärmere und häufig zugleich günstigere Stunden verlagern.
Geografischer und vertraglicher Geltungsbereich
Definition.
Der Strommix kann auf drei unterschiedlichen Ebenen ausgewiesen werden:
- als nationaler Erzeugungsmix,
- als Produkt- oder Lieferantenmix eines einzelnen Energieversorgers,
- als Residualmix, also als der Strommix, der nach Abzug aller durch Herkunftsnachweise beanspruchten erneuerbaren Strommengen verbleibt.
Zweck.
Die Unterscheidung dieser Ebenen verhindert Doppelzählungen. Würden mehrere Energieversorger dieselbe erneuerbare Stromerzeugung für ihre Produkte beanspruchen, wären die Angaben auf nationaler Ebene nicht mehr konsistent. Der Residualmix erfasst daher ausdrücklich jene Strommengen, die von keinem Anbieter als erneuerbar ausgewiesen wurden.
Vorteile.
Die klare Trennung der verschiedenen Ebenen schützt die Glaubwürdigkeit von Ökostromaussagen. Gleichzeitig entsteht für Regulierungsbehörden eine überprüfbare Nachweiskette von der Stromerzeugung bis zum Endkunden.
Beispiel.
Der von der Regulierungsbehörde E-Control jährlich veröffentlichte österreichische „Strom- und Gaskennzeichnungsbericht“ weist den Lieferantenmix und den Produktmix getrennt voneinander aus und enthält zusätzlich Angaben zu Importanteilen.
Für Österreich selbst wird kein eigener Residualmix berechnet, da das dortige Stromkennzeichnungssystem bereits sämtliche Strommengen mithilfe von Herkunftsnachweisen erfasst.
Kennzeichnungsmechanismus: Herkunftsnachweise
Definition.
Ein Herkunftsnachweis, auf Englisch „Guarantee of Origin“ oder kurz GO, ist ein Zertifikat, das bestätigt, dass eine Megawattstunde Strom aus einer bestimmten Energiequelle erzeugt wurde. In der Regel handelt es sich dabei um eine erneuerbare Energiequelle.
Zweck.
Herkunftsnachweise verhindern, dass dieselbe Einheit erneuerbaren Stroms mehr als einem Kunden als „Ökostrom“ verkauft wird. Sie bilden das rechtliche Instrument, auf dem die Strommixkennzeichnung der Energieversorger beruht.
Vorteile.
Herkunftsnachweise bieten Endkunden, darunter auch Betreibern von Wärmepumpen, die verschiedene Stromtarife vergleichen, eine überprüfbare Nachweiskette anstelle einer reinen Marketingaussage.
Beispiel.
Die Association of Issuing Bodies berechnet jährlich einen europäischen Residualmix für Länder, in denen Energieversorger Herkunftsnachweise verwenden. Dabei kommt eine standardisierte, auf der Ausstellung von Herkunftsnachweisen basierende Methodik zum Einsatz.
Österreich und die Schweiz stellen Ausnahmen dar: Beide Länder verfügen über umfassende Stromkennzeichnungssysteme und benötigen daher keinen separat berechneten Residualmix.
Arten des Strommixes
| Typ | Was wird gemessen? | Hauptanwendung |
|---|---|---|
| Nationaler Erzeugungsmix | Gesamte Stromerzeugung innerhalb der Landesgrenzen | Nationale CO₂-Basiswerte und Berechnung des Primärenergiefaktors |
| Lieferanten- beziehungsweise Produktmix | Spezifischer Strommix, den ein Energieversorger seinen Kunden bilanziell liefert | Stromkennzeichnung und Information von Endkunden |
| Residualmix | Strom, der nicht durch Herkunftsnachweise als erneuerbar beansprucht wurde | Vermeidung der Doppelzählung erneuerbarer Strommengen |
| Echtzeit- beziehungsweise marginaler Netzstrommix | Zusammensetzung der Stromerzeugung zu einem bestimmten Zeitpunkt | Lastverschiebung im Smart Grid und dynamische Stromtarife |
| Eigenverbrauchsmix | Kombination aus dezentraler Eigenerzeugung, beispielsweise durch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, und Strombezug aus dem Netz | Dimensionierung von Photovoltaik-Wärmepumpen-Systemen |
Anwendungsfälle des Strommixes
- Berechnung der betriebsbedingten Emissionen einer Wärmepumpe.
Die nationale CO₂-Intensität wird mit dem jährlichen Stromverbrauch multipliziert, um einen vergleichbaren Emissionswert zu erhalten. Weitere Informationen dazu enthält der Cluster „CO₂-Emissionen“. - Bestimmung von Primärenergiefaktoren für die Förderfähigkeit.
Nationale Strommixdaten fließen unmittelbar in den Primärenergiefaktor ein, der in Energieausweisen und bei Förderprüfungen verwendet wird. Weitere Informationen finden sich im Cluster „Primärenergiefaktor“. - Zeitgesteuerter Wärmepumpenbetrieb im Smart Grid.
Systeme mit Netzanbindung, beispielsweise der iDM Navigator, können die Wärme- und Warmwassererzeugung in Stunden verlagern, in denen der Strommix besonders emissionsarm und der Strompreis besonders günstig ist. - Vergleich von Wärmepumpen mit fossilen Heizsystemen.
Strommixdaten ermöglichen einen fairen und methodisch vergleichbaren Vergleich zwischen einer Wärmepumpe und einer Gas- oder Ölheizung. - Dimensionierung von Photovoltaik-Wärmepumpen-Systemen.
Daten zum Eigenverbrauchsmix helfen dabei zu bestimmen, welcher Anteil des selbst erzeugten Solarstroms eines Gebäudes direkt für den Betrieb der Wärmepumpe genutzt werden kann.
Vorteile von Strommixdaten
- Transparente Klimabilanzierung.
Allgemeine Aussagen zu „Ökostrom“ werden durch überprüfbare, von Regulierungsbehörden veröffentlichte Kennzahlen ersetzt. - Übereinstimmung mit regulatorischen Anforderungen.
Strommixdaten unterstützen die Einhaltung der Kriterien der EU-Taxonomie sowie nationaler Förderprogramme, die nachgewiesene Emissions- oder Primärenergiedaten verlangen. - Realistische Systemvergleiche.
Wärmepumpen können fair mit verbrennungsbasierten Heizsystemen verglichen werden. - Potenzial zur Betriebsoptimierung.
Zeitlich hochaufgelöste Strommixdaten ermöglichen eine intelligente Steuerung der Wärmepumpe. Dadurch können die tatsächlichen Emissionen stärker reduziert werden, als es allein durch eine hohe Geräteeffizienz möglich wäre. - Vertrauen der Kunden.
Installationsbetriebe und Hauseigentümer erhalten eine überprüfbare Grundlage für klimabezogene Aussagen zu einer Wärmepumpenanlage.
Auswahlkriterien für Strommixdaten
Bei der Auswahl des anzuwendenden Strommixwerts – beispielsweise für Inhalte, Berechnungen oder die Kundenkommunikation – bestimmen die folgenden Kriterien die Qualität der Daten:
- Aktualität der Daten.
Es sollte das jüngste veröffentlichte Berichtsjahr verwendet werden, da sich der Strommix jährlich und teilweise erheblich verändern kann. - Autorität der Quelle.
Daten nationaler Regulierungsbehörden und statistischer Institutionen, beispielsweise von E-Control, dem Umweltbundesamt oder dem Schweizer Bundesamt für Energie, sollten gegenüber Angaben privater Datenanbieter bevorzugt werden. - Berechnungsmethode.
Es muss zwischen erzeugungsbezogenen und verbrauchsbezogenen Werten unterschieden werden. Stromimporte und -exporte können das Ergebnis erheblich verändern. - Regulatorische Anerkennung.
Es sollte geprüft werden, ob der verwendete Wert für den vorgesehenen Zweck anerkannt ist, beispielsweise für einen Förderantrag, eine Zertifizierung oder eine öffentliche Klimaaussage. - Passende Granularität.
Die zeitliche Auflösung muss zum jeweiligen Anwendungsfall passen. Jahresdurchschnittswerte sind beispielsweise für Aussagen zur lastabhängigen Betriebsoptimierung im Smart Grid ungeeignet.
Vergleich verschiedener Strommärkte
| Markt | Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung | CO₂-Intensität, ungefähr | Wichtigste Energieträger | Rahmen für die Stromkennzeichnung |
|---|---|---|---|---|
| Österreich | ca. 85 % | ca. 86–106 g CO₂/kWh | Wasserkraft | ElWOG §§ 78–79 zur Stromkennzeichnung; EAG-Ziel für 2030 |
| Deutschland | ca. 59–63 % | 344 g CO₂/kWh im Jahr 2025 | Windenergie, Solarenergie und Erdgas | EnWG § 42 zur Stromkennzeichnung durch Energieversorger |
| Schweiz | ca. 95 % CO₂-arme beziehungsweise CO₂-freie Erzeugung | unter 40 g CO₂/kWh | Wasserkraft und Kernenergie | Vollständiges Stromkennzeichnungssystem; kein Residualmix erforderlich |
Die Unterschiede zwischen Österreich beziehungsweise der Schweiz und Deutschland zeigen, weshalb ein einheitlicher europäischer Durchschnittswert für länderspezifische Klimaaussagen zu Wärmepumpen ungeeignet ist.
Eine in Österreich oder der Schweiz betriebene Wärmepumpe profitiert bereits von einem deutlich emissionsärmeren Strommix als eine Anlage, die mit dem durchschnittlichen europäischen Strommix betrieben wird. Dieser Vorteil besteht bereits unabhängig von zusätzlichen Effizienzgewinnen der Wärmepumpe.
Integration des Strommixes in andere Systeme
Der Strommix ist keine isolierte Kennzahl. Er dient als gemeinsame vorgelagerte Datengrundlage für mehrere weitere Themenbereiche und Systeme:
- CO₂-Emissionen – Die CO₂-Intensität des Strommixes wird als direkter Multiplikator zur Berechnung der betriebsbedingten Emissionen einer Wärmepumpe verwendet.
- CO₂-Fußabdruck – Strommixdaten bilden einen Bestandteil des gesamten Lebenszyklus-Fußabdrucks einer Wärmepumpe.
- Primärenergiefaktor – Der nationale Primärenergiefaktor wird aus der Zusammensetzung des Strommixes abgeleitet. Ein emissionsärmerer und stärker erneuerbarer Strommix führt in der Regel zu einem niedrigeren nicht erneuerbaren Primärenergiefaktor.
- Dekarbonisierung des Wärmesektors – Nationale Dekarbonisierungspfade, beispielsweise das österreichische EAG-Ziel einer bilanziell vollständig erneuerbaren Stromversorgung bis 2030, bestimmen, wie sich der Strommix und damit die Klimabilanz einer Wärmepumpe während ihrer Nutzungsdauer verbessern werden.
- Smart-Grid-Anbindung – Echtzeit- und saisonale Strommixdaten bilden die Grundlage für einen zeitlich optimierten Wärmepumpenbetrieb. Ohne diese Informationen hätte eine Lastverschiebung keine belastbare klimapolitische Grundlage.
- iDM Navigator – Das intelligente Netzsteuerungssystem von iDM nutzt zeitlich hochaufgelöste Strommix- und Preissignale, um den Betrieb der Wärmepumpe in die emissionsärmsten und wirtschaftlich günstigsten verfügbaren Stunden zu verlagern. Dadurch werden Strommixdaten von einer passiven Berichtskennzahl zu einem aktiven betrieblichen Vorteil.
Der Strommix ist die Grundlage für die Messung, den Vergleich und die Verbesserung der Umweltleistung von Wärmepumpen. Er bestimmt die betriebsbedingten CO₂-Emissionen, beeinflusst Primärenergiefaktoren, unterstützt die transparente Stromkennzeichnung durch Energieversorger und ermöglicht einen intelligenten Betrieb zu Zeiten, in denen besonders emissionsarmer Strom verfügbar ist.
Für Märkte wie Österreich, Deutschland und die Schweiz verhindert die Verwendung des jeweils passenden nationalen, lieferantenbezogenen, residualen, zeitlich aufgelösten oder eigenverbrauchsbezogenen Strommixes irreführende Klimaaussagen und verbessert die Entscheidungsqualität.
Durch die Verknüpfung von Strommixdaten mit der Effizienz der Wärmepumpe, der Integration von Photovoltaik, dem CO₂-Fußabdruck und den nationalen Dekarbonisierungszielen können Hauseigentümer, Installationsbetriebe und Hersteller allgemeine Aussagen zu „grünem Strom“ in überprüfbare Entscheidungen für eine emissionsarme Wärmeversorgung überführen.





