Primärenergiefaktor

Der Primärenergiefaktor (PEF), auch als fP bezeichnet, ist eine zentrale energiebilanzielle Kennzahl zur Bewertung des tatsächlichen Ressourceneinsatzes eines Wärmepumpensystems. Er rechnet Endenergie, beispielsweise Strom aus dem öffentlichen Netz, in Primärenergie um und zeigt damit, wie viel Energie ursprünglich aus natürlichen Ressourcen gewonnen werden musste, bevor Verluste bei Erzeugung, Umwandlung, Transport und Netzübertragung berücksichtigt werden.

Bei Wärmepumpen führt der PEF den SCOP, Gebäudeenergieausweise, die EU-Energiekennzeichnung, das Gebäudeenergiegesetz (GEG), die OIB-Richtlinie 6, die SIA-Normen und den Eigenverbrauch von vor Ort erzeugtem Photovoltaikstrom in einem einheitlichen und vergleichbaren Rahmen zusammen. Anders als CO₂-Emissionsfaktoren oder Kennzahlen zum CO₂-Fußabdruck misst der PEF Treibhausgasemissionen nicht direkt. Er erfasst vielmehr den vorgelagerten Energieeinsatz. Damit ist er für die Planung, Zertifizierung, Förderfähigkeit und den fairen Vergleich von Strom, Gas, Heizöl, Biomasse und Fernwärme von entscheidender Bedeutung.

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Thomas Pletzer
Matthias Steiner
Christian Hutter
Adrian Egger
EXPERTEN-BERATUNG
Über 50 Jahre Erfahrung mit Wärmepumpen

Was ist der Primärenergiefaktor?

Der Primärenergiefaktor (PEF), im Deutschen üblicherweise als Primärenergiefaktor fP bezeichnet, ist ein dimensionsloser Koeffizient. Er rechnet die Endenergie – also die Energie, die einem Gebäude oder Gerät tatsächlich zugeführt wird, beispielsweise Strom aus einer Steckdose – in Primärenergie um. Primärenergie bezeichnet den Energiegehalt, der ursprünglich der Natur entnommen wurde, bevor Umwandlungs-, Transport- und Verteilungsverluste berücksichtigt werden.

Der Zusammenhang lässt sich durch eine einfache Multiplikation ausdrücken:

Primärenergie = Endenergie × PEF

Ein PEF größer als 1 zeigt an, dass in den vorgelagerten Prozessketten Energieverluste auftreten. Strom weist typischerweise einen PEF von mehr als 1 auf, da Kraftwerke bei der Umwandlung von Brennstoffen in elektrische Energie Verluste verursachen und bei der Übertragung durch die Stromnetze weitere Energie verloren geht.

Ein PEF von 0 bedeutet, dass kein vorgelagerter Primärenergieeinsatz erforderlich war. Deshalb wird direkt vor Ort erzeugtem und selbst verbrauchtem Photovoltaikstrom in den entsprechenden Bauvorschriften in der Regel dieser Wert zugeordnet.

Was ist der zentrale Zweck des Primärenergiefaktors?

Der PEF dient dazu, unterschiedliche Energieträger auf einer gemeinsamen Grundlage miteinander vergleichbar zu machen. Strom, Erdgas, Heizöl, Biomasse und Fernwärme weisen jeweils unterschiedliche vorgelagerte Erzeugungs- und Umwandlungsketten auf. Ohne eine einheitliche Bilanzierungsgröße kann eine Kilowattstunde Netzstrom nicht sachgerecht mit einer Kilowattstunde Gas verglichen werden, da auf dem Weg bis zum Gebäude unterschiedlich hohe Energieverluste entstehen.

Der PEF stellt diese gemeinsame Bilanzierungsgröße bereit. Behörden und Gesetzgeber verwenden ihn, um den Primärenergiebedarf eines Gebäudes für Energieausweise zu berechnen, Mindesteffizienzanforderungen für Heizgeräte festzulegen und ausgewiesene Stromeinsparungen im Rahmen nationaler Energieeffizienzverpflichtungen in Primärenergieeinsparungen umzurechnen.

Hersteller nutzen den PEF, um darzustellen, wie sich die hohe Effizienz einer Wärmepumpe am Einsatzort in eine entsprechende Ressourceneffizienz auf Primärenergieebene überträgt.

Warum wird der Primärenergiefaktor benötigt?

Wärmepumpen verbrauchen Strom. Auf Endenergieebene wirkt dieser Energieverbrauch zunächst sehr einfach: Eine Wärmepumpe kann beispielsweise eine Kilowattstunde Strom aufnehmen und damit vier Kilowattstunden Wärme bereitstellen. Dieses Verhältnis wird durch die Leistungszahl COP beziehungsweise die saisonale Leistungszahl SCOP beschrieben.

Bei einer ausschließlichen Betrachtung der Endenergie erscheint ein solches System außerordentlich effizient. Für eine Bewertung auf Primärenergieebene ist jedoch ein weiterer Rechenschritt erforderlich. Die eine Kilowattstunde Strom, welche die Wärmepumpe verbraucht, erforderte bei ihrer Erzeugung und Bereitstellung mehr als eine Kilowattstunde Primärenergie.

Der PEF schließt diese Bilanzierungslücke. Er verhindert, dass Wärmepumpen ausschließlich anhand einer Effizienzkennzahl bewertet werden, die vorgelagerte Erzeugungs- und Netzverluste außer Acht lässt. Gleichzeitig gewährleistet er, dass fossil betriebene Heizsysteme anhand einer Kennzahl bewertet werden, die auch den direkten Verbrennungspfad von Gas und Heizöl vor Ort sowie die damit verbundenen, vergleichsweise geringen vorgelagerten Verluste sachgerecht abbildet.

Aus dieser Notwendigkeit ergeben sich unmittelbar folgende Konsequenzen:

  • Gebäudeenergieausweise verwenden als Nachweisgröße den mit dem PEF gewichteten Primärenergiebedarf und nicht lediglich den ungewichteten Endenergieverbrauch.
  • Produktenergielabels für Wärmepumpen verwenden einen PEF-basierten Umrechnungskoeffizienten, um im Labor ermittelte SCOP-Werte in eine ausgewiesene Effizienzklasse zu überführen.
  • Nationale Regierungen nutzen den PEF, um Stromeinsparungen in Primärenergieeinsparungen umzurechnen, wenn sie ihre Fortschritte bei der Erreichung europäischer Energieeffizienzziele melden.
  • Mit zunehmender Dekarbonisierung des Stromnetzes sinkt der PEF für Strom. Dadurch verbessert sich rechnerisch die ausgewiesene Primärenergieperformance jeder bereits installierten elektrischen Wärmepumpe, ohne dass technische Änderungen an der Anlage erforderlich sind.

Was sind die wesentlichen Merkmale des Primärenergiefaktors?

Als regulatorische Kennzahl weist der PEF in verschiedenen Rechtsräumen eine Reihe übereinstimmender struktureller Merkmale auf, auch wenn sich die konkreten Zahlenwerte unterscheiden. Jedes dieser Merkmale bestimmt, wie der Koeffizient angewendet wird und für welche Bereiche er gilt. Die einzelnen Merkmale werden nachfolgend aufgeführt und anschließend ausführlich erläutert.

  • Nicht erneuerbare und gesamte Varianten – die meisten Regelwerke veröffentlichen für jeden Energieträger zwei unterschiedliche Faktoren.
  • Energieträgerspezifität – jeder Brennstoff beziehungsweise jede Bereitstellungsform, etwa Netzstrom, Gas, Heizöl, Biomasse oder Fernwärme, erhält einen eigenen Faktor.
  • Rechtsraumspezifität – der anzuwendende Wert richtet sich nach den geltenden nationalen oder regionalen Bauvorschriften und nicht nach einem einzigen, EU-weit einheitlichen Wert.
  • Zeitliche Veränderlichkeit – die Faktoren werden regelmäßig überarbeitet, wenn sich der zugrunde liegende Stromerzeugungsmix verändert.
  • Behandlung der Vor-Ort-Erzeugung – direkt vor Ort erzeugter und selbst verbrauchter Strom aus erneuerbaren Energien wird üblicherweise mit einem Faktor von null oder annähernd null bewertet.

Ausführliche Erläuterung der Merkmale des Primärenergiefaktors

Nicht erneuerbarer und gesamter PEF

Definition: Bauvorschriften unterscheiden beim PEF typischerweise zwischen einem Gesamtwert, der den gesamten vorgelagerten erneuerbaren und nicht erneuerbaren Energieeinsatz berücksichtigt, und einem nicht erneuerbaren Wert. Letzterer wird häufig als PEFne bezeichnet und schließt den erneuerbaren Anteil aus.

Zweck: Durch diese Unterscheidung lässt sich derjenige Anteil des Primärenergiebedarfs separat erfassen, der endliche Ressourcen beansprucht, da erneuerbare Primärenergie nicht im gleichen Sinne begrenzt ist.

Vorteil: Politische Entscheidungsträger können Anforderungen gezielt auf den nicht erneuerbaren Primärenergiebedarf beziehen. Dadurch werden Systeme begünstigt, die Strom aus einem hohen erneuerbaren Anteil im Netz oder aus eigener Erzeugung nutzen.

Beispiel: Anlage 4 des deutschen Gebäudeenergiegesetzes veröffentlicht für die gesetzliche Berechnung des Primärenergiebedarfs nicht erneuerbare Primärenergiefaktoren und nicht die gesamten Primärenergiefaktoren.

Energieträgerspezifität

Definition: Jeder Energieträger, der für Heizung, Kühlung oder Warmwasserbereitung in einem Gebäude verwendet wird, erhält einen eigenen Koeffizienten. Dieser wird aus der jeweils spezifischen vorgelagerten Bereitstellungs- und Umwandlungskette abgeleitet.

Zweck: Ein einziger gemischter Koeffizient würde die tatsächlichen Unterschiede beispielsweise zwischen der direkten Verbrennung von Heizöl vor Ort und Netzstrom aus einem gemischten Kraftwerkspark mit thermischen und erneuerbaren Erzeugungsanlagen verschleiern.

Vorteil: Planer können hybride Systeme, etwa eine Wärmepumpe in Verbindung mit einem Gasheizkessel, korrekt modellieren. Dabei wird jeder Energieträger einzeln gewichtet, anstatt einen nicht repräsentativen Durchschnittswert zu verwenden.

Beispiel: Anlage 4 des deutschen GEG führt getrennte Faktoren für Netzstrom, Heizöl, Erdgas, Biomasse, Biomethan und Fernwärme auf. Jeder Faktor beruht auf der jeweiligen vorgelagerten Energiekette.

Rechtsraumspezifität

Definition: Es gibt keinen einzelnen PEF-Wert, der in der gesamten Europäischen Union einheitlich gilt. Die Mitgliedstaaten legen eigene Werte fest oder übernehmen entsprechende Vorgaben. In Österreich und der Schweiz kommen zusätzlich bundesland- beziehungsweise kantonsspezifische Regelungen zur Anwendung.

Zweck: Der Stromerzeugungsmix unterscheidet sich erheblich zwischen einzelnen Ländern und teilweise auch zwischen Regionen. Ein national oder regional abgeleiteter Koeffizient bildet die örtlichen vorgelagerten Erzeugungsbedingungen daher genauer ab als ein theoretischer EU-Durchschnitt.

Vorteil: Die Konformitätsberechnung orientiert sich am tatsächlich relevanten Strommix des Gebäudes und nicht an einem EU-weiten Durchschnitt, der für den jeweiligen Standort möglicherweise nicht repräsentativ ist.

Beispiel: In Deutschland gilt Anlage 4 des GEG. In Österreich wird die OIB-Richtlinie 6 durch die jeweiligen Bundesländer in das Baurecht übernommen. In der Schweiz kommen je nach Zertifizierungsziel die SIA 380/1 oder das separate Minergie-Gewichtungssystem zur Anwendung.

Zeitliche Veränderlichkeit

Definition: Primärenergiefaktoren für Strom sind keine unveränderlichen Konstanten. Sie werden angepasst, wenn der Anteil erneuerbarer Energien am Erzeugungsmix steigt und die vorgelagerten Verluste sinken.

Zweck: Ein unveränderter Koeffizient würde die tatsächlichen Primärenergiekosten der Strombereitstellung mit der Zeit nicht mehr korrekt abbilden. Er könnte die Vorteile der Dekarbonisierung des Stromnetzes unterschätzen oder – falls der Wert zu niedrig angesetzt wäre – überbewerten.

Vorteil: Eine regelmäßige Überarbeitung hält die Kennzahl im Einklang mit den tatsächlichen physikalischen Gegebenheiten. Zugleich entsteht ein regulatorischer Mechanismus, durch den sich die ausgewiesene Performance elektrischer Heizsysteme mit der fortschreitenden Dekarbonisierung des Stromsystems automatisch verbessert.

Beispiel: Der EU-Standardwert für den Primärenergiefaktor von Strom wurde von 2,5 – festgelegt im ursprünglichen Regelungsrahmen von 2006 und in die Energieeffizienzrichtlinie von 2012 übernommen – zunächst im Rahmen der Überarbeitung von 2018 auf 2,1 und anschließend durch die Delegierte Verordnung (EU) 2023/807 der Kommission auf 1,9 gesenkt. Grundlage war der durchschnittlich prognostizierte Wert für die Jahre 2024 und 2025.

Behandlung der Vor-Ort-Erzeugung

Definition: Strom, der vor Ort aus einer erneuerbaren Energiequelle erzeugt und direkt verbraucht wird, ohne das öffentliche Stromnetz zu durchlaufen, erhält üblicherweise einen PEF von null.

Zweck: Durch diesen Faktor wird der Eigenverbrauch von vor Ort erzeugter erneuerbarer Energie begünstigt, da für diesen Strom kein vorgelagerter Primärenergieaufschlag angesetzt wird.

Vorteil: Dadurch entsteht ein direkter und quantifizierbarer Anreiz, eine Wärmepumpe mit einer eigenen Photovoltaikanlage zu kombinieren.

Beispiel: Nach Anlage 4 des deutschen GEG wird selbst erzeugter und direkt verbrauchter Photovoltaikstrom mit fP = 0 angesetzt. Strom, der in das öffentliche Netz eingespeist wird, erhält diese Behandlung nicht und wird im Rahmen dieser Regelung nicht mehr als selbst erzeugter und direkt genutzter Strom angerechnet.

Arten und regulatorische Modelle

Der PEF ist keine einzelne Zahl, sondern eine Gruppe von Koeffizienten, die durch unterschiedliche regulatorische Instrumente definiert werden. Jeder dieser Koeffizienten dient einem bestimmten Nachweis- oder Anwendungszweck. Für eine korrekte Anwendung muss daher zunächst ermittelt werden, welches Modell für die jeweilige Aufgabe maßgeblich ist.

  • EU-Standardwert für den Strom-PEF gemäß Energieeffizienzrichtlinie, Artikel 31 und Anhang V: Durch die Delegierte Verordnung (EU) 2023/807 der Kommission ist der Wert derzeit auf 1,9 festgelegt. Zuvor betrug er nach der Überarbeitung von 2018 2,1 und nach dem ursprünglichen Regelungsrahmen von 2012 2,5. Die Mitgliedstaaten können diesen Standardwert anwenden oder einen abweichenden nationalen Faktor sachlich begründen.
  • Deutschland – Anlage 4 des GEG: Für Netzstrom ist der gesetzlich anzuwendende nicht erneuerbare Primärenergiefaktor auf 1,8 festgelegt. Dieser Wert wurde aus dem GEG 2020 in den aktuellen GEG-Rahmen 2024 übernommen. Für Netzstrom, der zum Betrieb großer Wärmepumpen zur Einspeisung in Wärmenetze verwendet wird, gilt seit Januar 2023 ein gesonderter, niedrigerer Faktor von 1,2.
  • Österreich – OIB-Richtlinie 6: Die Richtlinie definiert Primärenergie- und CO₂eq-Umrechnungsfaktoren für österreichische Energieausweise. Entsprechende Fassungen wurden 2015, 2019 und 2023 veröffentlicht. Rechtsverbindlich werden sie jedoch erst durch die Übernahme in das Baurecht des jeweiligen Bundeslandes. Diese Übernahme erfolgte in der Vergangenheit nicht überall einheitlich. So wurde beispielsweise die Fassung von 2019 nicht in jedem Bundesland übernommen. Der anzuwendende Faktor muss daher anhand des geltenden Baurechts des jeweiligen Bundeslandes überprüft werden und darf nicht ausschließlich aus der betreffenden OIB-Fassung abgeleitet werden.
  • Schweiz – SIA 380/1 und SIA 2040 oder nationale Minergie-Gewichtungsfaktoren: In der Schweiz bestehen zwei parallele Systeme. Die SIA-Normen veröffentlichen getrennte Faktoren für die gesamte und die nicht erneuerbare Primärenergie. Das Minergie-Label verwendet dagegen eigene nationale Gewichtungsfaktoren. Dabei wird Strom beispielsweise ungefähr doppelt so stark gewichtet wie Gas. Die kantonalen Bauvorschriften bestimmen, welche Anforderungen ein bestimmtes Projekt erfüllen muss.
  • Umrechnungskoeffizient für Ökodesign und Energiekennzeichnung (CC): Hierbei handelt es sich um einen separaten Koeffizienten, der funktional einem Primärenergiefaktor entspricht. Er wird speziell dazu verwendet, den SCOP einer Wärmepumpe in die auf dem Energielabel ausgewiesene jahreszeitbedingte Raumheizungs-Energieeffizienz ηs umzurechnen. Nach den derzeit geltenden EU-Ökodesign-Verordnungen 813/2013 und 2016/2281 beträgt dieser Koeffizient 2,5. Ein Vorschlag der Europäischen Kommission sieht vor, ihn im Rahmen der noch ausstehenden Überarbeitung des Ökodesign-Loses 1 auf 1,9 zu senken und damit an den überarbeiteten Standardwert der Energieeffizienzrichtlinie anzugleichen. Stand Juli 2026 wurde diese Überarbeitung ebenso wenig verabschiedet wie die damit verbundene Neuskalierung der Energiekennzeichnung auf die Klassen A bis G. Für Konformitätszwecke gilt daher weiterhin der Wert 2,5.

Anwendungsfälle

Der PEF ist kein rein theoretisches Konzept. Er fließt an mehreren Stellen in konkrete Planungs-, Nachweis- und Zertifizierungsprozesse ein. Für jeden Anwendungsfall kann dabei eine andere regulatorische Ausprägung des Primärenergiefaktors maßgeblich sein.

  • Gebäudeenergieausweise: Der Primärenergiebedarf Q_P wird berechnet, indem der Endenergiebedarf Q_E mit dem anzuwendenden PEF multipliziert wird. Das Ergebnis bildet eine zentrale Kennzahl im Energieausweis oder in einer gleichwertigen Bescheinigung.
  • Nachweise für Neubauten und Sanierungen: Standards wie das deutsche Effizienzhaus 55 oder 40 begrenzen den zulässigen Primärenergiebedarf auf einen bestimmten Prozentsatz des Bedarfs eines Referenzgebäudes. Die mit dem PEF gewichtete Performance des gewählten Heizsystems kann daher entscheidend dafür sein, ob die Anforderungen erfüllt werden.
  • Energiekennzeichnung von Wärmepumpen: Die jahreszeitbedingte Raumheizungs-Energieeffizienz ηs einer Wärmepumpe, die auf dem EU-Energielabel angegeben wird, wird durch Division des SCOP durch den Umrechnungskoeffizienten abgeleitet:

    ηs ≈ SCOP / CC

    Dadurch wird die im Labor gemessene Performance unmittelbar mit der Primärenergiebilanzierung verknüpft.

  • Nationale Berichterstattung zu Energieeinsparungen: Im Rahmen der Energieeffizienzrichtlinie rechnen die Mitgliedstaaten gemeldete Endenergieeinsparungen bei Strom mithilfe des anzuwendenden PEF in Primärenergieeinsparungen um. Diese Werte werden unter anderem für die Berichterstattung zu Energieeinsparverpflichtungssystemen an die Europäische Kommission verwendet.
  • Förder- und Finanzierungsfähigkeit: Förderprogramme, deren Voraussetzungen an die Primärenergieperformance eines Gebäudes oder Systems und nicht allein an dessen Endenergieverbrauch oder Emissionen geknüpft sind, verwenden den PEF als Berechnungsgrundlage für die Förderfähigkeit.

Vorteile

Die korrekte Anwendung des Primärenergiefaktors bietet Vorteile auf drei Ebenen: bei der technischen Genauigkeit, bei der regulatorischen Konsistenz und bei der kommerziellen Positionierung.

  • Fairer Vergleich unterschiedlicher Technologien: Der PEF verhindert, dass elektrische Heizsysteme allein aufgrund ihres Endenergieverbrauchs benachteiligt werden, obwohl ihre Primärenergieperformance günstig ist. Gleichzeitig verhindert er, dass fossile Systeme effizienter erscheinen, als es unter Berücksichtigung ihrer gesamten vorgelagerten Brennstoffkette gerechtfertigt wäre.
  • Anreiz zum Eigenverbrauch erneuerbarer Energie: Die Bewertung von selbst verbrauchtem, vor Ort erzeugtem Strom mit einem PEF von null oder annähernd null schafft einen quantifizierbaren und baurechtlich anerkannten Anreiz, Wärmepumpen mit Photovoltaikanlagen zu kombinieren.
  • Automatische Performanceverbesserung durch die Dekarbonisierung des Stromnetzes: Wenn nationale Primärenergiefaktoren für Strom sinken – wie beim EU-Standardwert von 2,5 auf 1,9 –, verbessert sich die ausgewiesene Primärenergieperformance jeder installierten Wärmepumpe, ohne dass Änderungen an der technischen Anlage erforderlich sind.
  • Regulatorische Transparenz bei der Planung: Durch die korrekte Bestimmung des für ein Projekt maßgeblichen Faktors – EU-Standardwert, nationaler Gebäudefaktor oder Ökodesign-Umrechnungskoeffizient – lassen sich Fehler bei Genehmigungsverfahren, Nachweisen und Zertifizierungen vermeiden.

Auswahlkriterien

Bei der Auswahl des richtigen PEF geht es nicht darum, eine einzige „richtige“ Zahl zu bestimmen. Entscheidend ist vielmehr, den Koeffizienten dem jeweiligen regulatorischen und rechnerischen Anwendungsfall korrekt zuzuordnen. Vier Fragen bestimmen, welcher Wert anzuwenden ist:

  • Was wird berechnet? Für den Primärenergiebedarf eines Gebäudes im Rahmen eines Energieausweises ist der PEF des maßgeblichen Baurechts anzuwenden, beispielsweise nach GEG, OIB oder SIA. Für das Energielabel einer Wärmepumpe gilt dagegen der separate Ökodesign-Umrechnungskoeffizient.
  • Welcher Rechtsraum ist für das Projekt maßgeblich? Deutschland, Österreich und die Schweiz wenden unterschiedliche Regelwerke an. In Österreich und der Schweiz muss zusätzlich geprüft werden, welche Anforderungen auf Bundesland- beziehungsweise Kantonsebene gelten.
  • Welche Fassung oder welcher delegierte Rechtsakt ist derzeit in Kraft? Primärenergiefaktoren werden regelmäßig überarbeitet. Wird beispielsweise der frühere EU-Wert von 2,1 anstelle des aktuellen Werts von 1,9 verwendet, ist das Ergebnis trotz einer ansonsten korrekten Berechnung fehlerhaft.
  • Wird vor Ort erzeugte Energie genutzt? Direkt selbst verbrauchter Strom aus erneuerbaren Energien erfordert üblicherweise einen separaten Faktor von null oder annähernd null und darf nicht mit dem Standardwert für Netzstrom angesetzt werden.

Vergleiche

Der PEF wird häufig mit benachbarten Kennzahlen verwechselt, die verwandte, aber dennoch unterschiedliche Sachverhalte messen. Eine eindeutige Abgrenzung verhindert Berechnungsfehler und inhaltliche Überschneidungen mit anderen Themenbereichen.

  • PEF im Vergleich zum CO₂-Emissionsfaktor: Der PEF gibt den vorgelagerten Energieeinsatz je Einheit bereitgestellter Energie an. Der CO₂-Emissionsfaktor beschreibt dagegen die vorgelagerten Treibhausgasemissionen je Einheit bereitgestellter Energie. Beide Werte werden in nationalen Datensätzen häufig nebeneinander veröffentlicht. Sowohl Anlage 4 des deutschen GEG als auch die österreichische OIB-Richtlinie 6 enthalten entsprechende Angaben. Dennoch messen die Kennzahlen unterschiedliche physikalische Größen und können sich unabhängig voneinander verändern.
  • PEF im Vergleich zum CO₂-Fußabdruck: Der CO₂-Fußabdruck, der in einem eigenen Themenbereich dieses Portals behandelt wird, ist eine umfassendere Lebenszykluskennzahl. Er berücksichtigt Emissionen aus Herstellung, Installation, Betrieb und Entsorgung. Der PEF betrachtet dagegen ausschließlich den energiebezogenen Umwandlungsschritt während der Betriebsphase und bewertet diesen aus Sicht der Energiebilanzierung, nicht aus Sicht der Emissionen.
  • PEF im Vergleich zum Endenergiebedarf: Der Endenergiebedarf bezeichnet die Energie, die ein Gebäude oder System tatsächlich bezieht, bevor eine vorgelagerte Gewichtung vorgenommen wird. Der PEF ist der Multiplikator, der auf diesen Wert angewendet wird, um den Primärenergiebedarf zu bestimmen. Beide Größen beschreiben somit unterschiedliche Stufen derselben Energieversorgungskette.
  • PEF im Vergleich zu SCOP beziehungsweise JAZ: SCOP und Jahresarbeitszahl messen die Umwandlungseffizienz der Wärmepumpe am Einsatzort, also das Verhältnis der abgegebenen Nutzwärme zur aufgenommenen elektrischen Energie. Der PEF beschreibt dagegen einen vollständig vorgelagerten Prozess: den Primärenergieaufwand, der erforderlich war, um den von der Wärmepumpe verbrauchten Strom zu erzeugen und bereitzustellen. Bei der Ökodesign-Kennzeichnung werden beide Größen miteinander kombiniert, indem der SCOP durch den Umrechnungskoeffizienten geteilt und daraus eine primärenergiebereinigte Effizienzkennzahl ermittelt wird.

Integration in andere Systeme

Der PEF funktioniert nicht als isolierte Kennzahl. Er ist einer von mehreren Eingangsparametern, die bestimmen, wie ein Wärmepumpensystem zertifiziert, gekennzeichnet und finanziert wird. Innerhalb dieses Themenportals besteht eine direkte Verbindung zu den Bereichen CO₂-Emissionen und CO₂-Fußabdruck. Nationale Datensätze veröffentlichen Primärenergiefaktoren und CO₂-Umrechnungsfaktoren häufig gemeinsam, obwohl es sich weiterhin um klar voneinander zu unterscheidende Kennzahlen handelt.

Eine weitere direkte Verbindung besteht zum Themenbereich Energiekennzeichnung, da die auf dem Energielabel ausgewiesene Effizienzklasse einer Wärmepumpe unmittelbar vom zuvor beschriebenen Umrechnungskoeffizienten abhängt.

Auf Gebäudeebene ist der PEF Bestandteil der Berechnung für den Energieausweis. Er wird gemeinsam mit U-Werten, Lüftungswärmeverlusten und Berechnungen zum Anteil erneuerbarer Energien berücksichtigt, wie sie durch nationale Bauvorschriften – etwa das GEG, die OIB-Richtlinie 6 oder die SIA 380/1 – vorgeschrieben werden.

Auf Produktebene ist der PEF mit der SCOP- und COP-Dokumentation verknüpft. Die tatsächliche Primärenergieperformance einer Wärmepumpe hängt davon ab, ob sie ihren angegebenen SCOP auch im realen Betrieb erreicht und nicht nur unter Laborbedingungen.

Das Regelungssystem Navigator 2.0 von iDM setzt genau an diesem Zusammenhang an. Durch die Steuerung und Optimierung von Vorlauftemperaturen, Abtauzyklen und hydraulischem Abgleich soll der tatsächliche SCOP im Betrieb möglichst nahe am Nennwert gehalten werden. Dadurch wird die Primärenergieeffizienz abgesichert, auf der Gebäudeenergieausweise und Energiekennzeichnungen beruhen.

Die Luftwärmepumpensysteme AERO ALM und SLM sowie die Sole- und Wasserquellensysteme TERRA SW und AL von iDM sind nach demselben Prinzip ausgelegt. Ab einem SCOP von ungefähr 1,5 bis 2,0 führt die Nutzung von Strom unter Berücksichtigung des Primärenergiefaktors zu einem deutlich geringeren Primärenergieeinsatz als die direkte Verbrennung fossiler Energieträger. Eine korrekt dimensionierte und geregelte Wärmepumpe unterschreitet daher den Primärenergiebedarf eines fossilen Heizkessels deutlich. Dieser Vorteil nimmt weiter zu, wenn die nationalen Primärenergiefaktoren für Strom infolge der Dekarbonisierung des Stromsystems sinken.

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Der Primärenergiefaktor erklärt, weshalb Wärmepumpen auch dann eine gute Primärenergieperformance erreichen können, wenn sie Strom verwenden, dessen Erzeugung mit vorgelagerten Umwandlungsverlusten verbunden ist. Durch die Multiplikation des Endenergiebedarfs mit dem jeweils richtigen PEF können Planer, Zertifizierungsstellen und Gebäudeeigentümer unterschiedliche Heiztechnologien auf einer gemeinsamen energetischen Grundlage vergleichen. Gleichzeitig lässt sich vermeiden, dass Primärenergiebedarf mit CO₂-Emissionen oder dem lebenszyklusbezogenen CO₂-Fußabdruck verwechselt wird.

Da die Primärenergiefaktoren für Strom mit fortschreitender Dekarbonisierung der Stromnetze sinken, werden effiziente Wärmepumpen in Verbindung mit intelligenter Regelungstechnik und vor Ort erzeugtem Solarstrom bei baurechtlichen Nachweisen, Energiekennzeichnungen und der langfristigen Umweltperformance zunehmend vorteilhaft.

Welcher PEF für ein konkretes Wärmepumpenprojekt anzuwenden ist, hängt vom Berechnungszweck, vom maßgeblichen Rechtsraum, von der aktuell geltenden Vorschrift und davon ab, ob selbst erzeugte erneuerbare Energie direkt verbraucht wird.